Hilfe aus dem Bienenstock (Honig)

Dr. Thomas Nieberding

-Honig-

18.03.2009 068Honig ist ein Stoff, den die Bienen zur eigenen Ernährung und Gesundheit produzieren. Honig ist rein vegetarisch. Dabei unterscheidet man Blütenhonige und Honigtau. Biene 1Als Ausgangsprodukt dient bei Blütenhonigen die Absonderung von Nektar an Blütenpflanzen, seltener die Absonderungen von ausserhalb der Blüten gelegenen Nektarien (zB beim Kirschlorbeer). Honigtau ist der Siebröhrensaft von Pflanzen, der von Schild- und Blattläusen aufgenommen wird und anschließend ausgeschieden und von den Bienen aufgenommen wird.

Honig ist ein besonderer Saft
Er besteht nämlich nicht nur aus verschiedenen Zuckern wie Fruchtzucker,  Traubenzucker, Malzzucker, Palatinose, Trehalose und Melezitose, sondern auch aus verschiedenen Enzymen, Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Pollen.
Unsere Bienen stellen dieses Produkt her, indem sie in einem komplizierten Prozeß Nektar aufnehmen, lagern, mit Enzymen versetzen, entwässern, und schliesslich in den Waben einlagern.
Bild 894Das Endprodukt ist nicht nur durch die Arbeit der Bienen, sondern auch durch das Ausgangsmaterial geprägt. Die beflogenen Nektarspender, die Reifezeit, die Jahreszeit und der Anteil an Honigtau führen zu unterschiedlichen Produkten mit unterschiedlichem Aussehen, Geschmack und Inhalt.

Allen diesen Produkten bleibt aber gemeinsam, dass es sich um lebendige Lebensmittel handelt, die permanent  chemisch aktiv bleiben. Dadurch kann man nicht nur die Frische und Lagerbedingung  an Hand des HMF Gehaltes bestimmen, sondern, man kann sich diese Aktivität auch zu Nutze machen. So wird etwa im Honig, durch eine fortwährende Produktion von Glucoseoxidase immer ein kleiner Anteil an bakteriostatischem Wasserstoffperoxid gebildet, der etwa die Wundheilung günstig beeinflussen kann.
EnzymeInsgesamt befinden sich im Honig etwa 200 Inhaltsstoffe, von denen mit 2% die Enzyme Invertase, Katalase, Diastase und Phosphatase den Hauptteil ausmachen . An zweiter Stelle kommen die bakteriostatischen Inhibine, und dann, mit 0,6% die organischen Säuren wie Apfel- , Zitronen- , Bernstein-, Glukon- und Essigsäure.
Auch Vitamine gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen , wobei diese jedoch auf Grund ihrer niedrigen Konzentration keinen relevanten Ernährungsbeitrag leisten können.
Auch wenn Aminosäuren mit 0,1% am Honig nur eine geringe Menge ausmachen , so sind sie deshalb so wichtig, weil sie temperaturabhängig unterschiedliche Farbtöne  und Aromen entstehen lassen . Im Honig entstehen so bis zu 120 verschiedene Aromastoffe.

Ernte
Honigernte
Höhlenzeichnung
Höhlenzeichnung Bicorp Spanien 10000 v.

Honig ist übrigens nicht immer gesund. Sogenannter Mad honey, bei dem die Bienen bevorzugt pontischen Rhododendron (im Mittelmeerraum) befliegen und absammeln, enthalten giftige Grayanotoxine die zu verlangsamtem Puls, Kreislaufbeschwerden, erbrechen und Halluzinationen führen können. Todesfälle sind als seltene und schlimmste Vergiftungserscheinungen beschrieben. Bei einigen Völkern wird dieser Honig auch absichtlich gesammelt um seine halluzinogene Wirkung zu erzielen. (https://www.youtube.com/watch?v=Y_b2i_FvYPw, hallucinogen honey hunters)

Honig als Heilmittel ist schon bei Sumerern, Babyloniern, Ägyptern und Chinesen  bekannt. In Ägypten wurden Bienen in Tonröhren gehalten und Honig wurde als Nahrungs- und Heilmittel geerntet. Um 460 vor Christus werden durch Hippokrates und seine Schüler mehr als 300 Rezepturen die Honig enthalten aufgezeichnet. In der Menschheitsgeschichte ist Honig als Teil des Lebens, sei es als Süßungs-, Heil- oder kosmetisch angewandtes Pflegemittel nicht wegzudenken. Im 20. Und 21. Jahrhundert hat man begonnen, die gesundheitsfördernde Wirkung von Honig wissenschaftlich zu untersuchen und den Nutzen in das Spektrum der übrigen  Heilmittel einzuordnen. Trotz Antibiotika, industriell hergestellten desinfizierenden Salben, Cremes und Wundauflagen erweist sich Honig immer noch als ein in vielen Bereichen hilfreiches und heilendes Naturprodukt.

Einige Anwendungen sollen hier Erwähnung finden:
1.  Honig als Mittel in der WundheilungBiene 3 

  • Honig wurde lange Zeit skeptisch betrachtet, nachdem einfacher Zucker zur Wundbehandlung eingesetzt, sich vielen modernen Wundbehandlungsmitteln als unterlegen zeigte. Honig selber ist aber mit einfachem Haushaltszucker nicht zu vergleichen, da er eine Reihe zusätzlicher Wirkmechanismen aufweist
  • Honig wirkt osmotisch und entzieht einer bakteriell entzündeten Wunde Wasser, wodurch Bakterien abgetötet werden können. Dies scheint auch bei der Behandlung von Helicobacter pylori, einem Keim im Magen der Magen und Zwölffingerdarmgeschwüre verursacht eine Rolle zu spielen.
  • Durch eine permanente Produktion von Glucoseoxidase entstehen immer geringe, bakterizid wirkende Wasserstoffperoxide. Dabei ist die Konzentration so niedrig, dass entgegen der Anwendung als 3%ige Lösung keine Gewebeschädigung auftritt. Ausserdem scheint Wasserstoffperoxid auch Fresszellen in die Wunde zu locken.
  • Methylglyoxal (MGO) entsteht im Zuckerstoffwechsel als Nebenprodukt und wirkt ebenfalls bakteriostatisch. In besonders hohen Konzentrationen findet sich Methylglyoxal in neuseeländischem Manuka Honig.
  • Honig enthält Defensine, das sind kleine, von Pflanzen produzierte Eiweisse, die die Bakterienmembranen zerstören können und damit ebenfalls Bakterizid wirken.
  • Auch der saure pH Wert zwischn 3,8 und 4,3 wirkt sich auf bakterielles Wachstum hemmend aus.

In vielerlei Untersuchungen hat sich Honig als modernen Wundbehandlungsmethoden gleichwertig erwiesen.
Da Honige aber in geringen Mengen Clostridium botulinum Sporen enthalten kann, wird eine Sterilisation des medizinisch verwendeten Honigs mit Gammastrahlen durchgeführt.
(Handelsprodukt z.B.: Medihoney©)
Da die bakteriostatische Wirkung unter Anderem vom Anteil an Methyglyoxal abhängt sollte man Honige mit hoher MGO Zahl (auf dem Etikett angegeben) kaufen. Die MGO Zahl liegt dabei zwischen 30 und 550 und spiegelt sich auch in entsprechend ansteigenden Preisen wieder.
Honig erweist sich in verschiedenen Untersuchungen auch gegen Problemkeime wie MRSA (Multiresistente Staphylokokkus aureus Stämme) und VRE (Vancomycinresistente Stämme) als wirksam.

DSC02552Bei oberflächlichen Wunden und Verbrennungen kann Honig als einfache Salbe oder Creme oder auch pur aufgetragen werden, darf so aber nicht uneingeschränkt empfohlen werden , da wie oben erwähnt Clostridiensporen im Honig vorhanden sein können. Bei Verwendung von medizinischem Honig in Verbindung mit modernen Wundauflagen, die ein Austrocknen und aufweichen der Wunde gleichzeitig verhindern, scheint Honig besser zu wirken als die meisten anderen lokal anwendbaren Therapeutika (etwas Silbersulfadiazin)
Bei tiefen Wunden und Wunden die Taschen ausgebildet haben ist aber eine ärztliche Konsultation vor Beginn einer Behandlung unerlässlich.
Ein besonderes Augenmerk hat man auch auf die Behandlung von Schleimhautschäden, wie sie bei Bestrahlungen oder nach Chemotherapien auftreten gelegt. Gerade zur Behandlung bei Bestrahlungsbedingten Schleimhautschäden liegen aussagekräftige Studien vor.
Die Verwendung von Honig hat hier zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik geführt, und ausserdem zu einer signifikanten Stabilisierung des Körpergewichtes beigetragen.

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/514406/honig-nur-suesskram-sondern-wirksames-bakterizid.html

2.  Honig bei Heuschnupfen SONY DSC

  • Heuschnupfen, tränende Augen oder sogar asthmatische Beschwerden ruhen daher, dass der Körper auf bestimmte Pollen mit einer überschießenden Abwehr reagiert. Die Schleimhäute schwellen an, sezernieren Flüssigkeit. Die Augen tränen und niesen spült die Allergene aus dem Körper wieder heraus oder versuchen dies zumindest .
  • Ein wichtiger Bausteine in der Behandlung allergischer Erkrankungen ist das Training für den Körper. Dabei wird unsere Abwehr langsam mit immer höher steigenden Konzentrationen des Allergie auslösenden Stoffes wieder an das Allergen gewöhnt  umso die überschießende Abwehr wieder einzufangen. Man stumpft das Immunsystem so wieder ab bis es in normalen Bahnen reagiert.
  • Diese sogenannte Desensibilisierung soll auch mit Honigen möglich sein, die immer auch Pollen, also Allergene enthalten. Für eine optimale Wirkung sollten die Honige dabei aus dem Lebensumfeld des Betroffenen gesammelt worden sein , sodass immer ein treffgenauer Pollenmix im Honig vorliegt. Um einen guten Erfolg zu erzielen sollte die Behandlung bereits in den Wintermonaten erfolgen. Möglicherweise ist das Ergebnis besser, wenn dem Honig noch Pollen zugesetzt wird.

3.  Honig bei Magen und DarmerkrankungenDSC03672

  • Einzelne Untersuchungen weisen darauf hin , dass Honig eine schützenden Effekt auf die Schleimhäute von Magen und Darm ausüben können. In tierexperimentellen Untersucungen kann Honig etwa Helicobacter pylori hemmen und Klistiere mit Honig können eine stark entzündete Darmschleimhaut schneller abheilen lassen.
  • Bei einer Magen und Darmentzündung zeigte sich , dass Kinder die Honig unterstützend erhielten eine schnellere Erholung zeigten .
  • Die Entzündungshemmende Wirkung bei einer Mundschleimhautentzündung wurde weiter oben ja bereits erwähnt.

Anwendungsbeispiele

Bei Erkältungen
Oftmals wird empfohlen heißen Tee mit Honig (50 g = etwa 2,5 EL) zu sich zunehmen, dabei kann die Wirkung gesteigert werden , wenn man  Aromaöle hinzugibt wie Fenchel oder Eukylyptusöl (5° Tropfen)

Vitalisierend
2 TL Honig in ein Glas warmes Wasser, 1 TL Essig zugeben spendet Energie und vitalisiert

Hautpflege
Honigmaske für normale Haut
1 EL Honig , 1 Eiweiß und 1 EL Trockenmilch verrühren , auftragen und dann mit lauwarmem Wasser abwaschen
Für trockene Haut
1 TL Honig , 1 Eigelb, 1 TL Roggenmehl und 1 Tl Olivenöl verrühren , auftragen, 30 Minuten einwirken lassen und abspülen
Honig-Lilien-Tonikum für trockene und empfindliche Haut
1 EL Honig 3 Lilienwurzeln (Apotheke) ½ l destilliertes  Wasser
Lilienwurzel kleinschneiden und 1 Stunde in zugedecktem Topf köcheln lassen, über Nacht stehen lassen und abseihen. Honig einrühren , alles in einer dunklen Flasche kühl lagern. Morgens und abends nach der Gesichtsreinigung auftragen
Gesichtswasser aus Honig für jeden Hauttyp
2 TL Honig , 150 ccm Rosenwasser, 1 EL Zitronensaft
Honig im Wasserbad auflösen mit Zitronensaft und Rosenwasser mischen und in eine Flasche füllen. Morgens und abends einige Tropfen auf ein wattepad geben und auf die haut auftragen.
Honig Glyzerinsalbe gegen trockene Hände
1 EL Honig, 2 EL Glycerin und 20 Tropfen Kamillentinktur (beides aus der Apotheke) zusammengeben , im Wasserbad erwärmen und verrühren .
Honig – Haarkur
2 EL Honig und 1-2 EL Olivenöl im Wasserbad erwärmen und mischen  und in das feuchte Haar einmassieren. Nach 30 Minuten auswaschen.

Medizinische Anwendung
Bei oberflächlichen Verbrennungen
1 EL Honig auf ein Mulltuch geben und direkt auf der Wunde fixieren. Mehrmals / Tag erneuern
Bei Muskelkrämpfen
Schmerzende Stelle mit Honig bestreichen mit Tuch abdecken und mit einem Wollschal umwickeln um eine ausreichende Wärmewirkung zu erzeugen
Bei Wunden

1 TL Honig mit 2 TL Lebertran mischen auf Mull geben und auf die Wunde legen . Mit einer weiteren Mullbinde fixieren . Dann mit sauberem Wasser später abspülen . NICHT bei tiefen Wunden oder Wundtaschen.